„Die CDU muss noch stärker das Lebensgefühl dieser Stadt widerspiegeln. Sie hat in vielen Bereichen ein graues, altes, verstaubtes Image. Daran müssen wir arbeiten“, so beginnt das Interview mit Kai Wegner. Am 18. Mai 2019 will der 46-Jährige Landesvorsitzender der Berliner CDU werden. Er sei gegen Enteignungen, für mehr innere Sicherheit und die Stärkung von Bildung – so die üblichen Antworten. Doch dann überrascht der Bundestagsabgeordnete im Interview mit Inside Wirtschaft-Chefredakteur Manuel Koch mit einem ganz anderen Thema. Schwule und Lesben sollen in der CDU mehr Rechte bekommen. Damit stellt er sich klar gegen die Meinung der Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. „Sie lebt ja jetzt in der Stadt. Sie wird die Lebensbedingungen kennen lernen.“ Anders als die Junge Union oder die Frauen-Union ist die LSU (Lesben und Schwule in der Union) bisher nur eine Arbeitsgruppe, keine Vereinigung, wodurch deutliche Nachteile entstehen. „Ich glaube wir müssen dafür sorgen, dass die LSU tatsächlich eine richtige Vereinigung wird. Ich würde es besonders gut finden, wenn dieses Signal aus Berlin Richtung Bundespartei kommen würde.“ Denn eines ist für Wegner klar: Lesben und Schwule sind auch eine interessante Wählerschaft. „Hier muss die CDU Angebote machen. Ich möchte dafür sorgen, dass die CDU in der Tat auch glaubwürdiger Vertreter von Schwulen und Lesben ist.“ Das will er dieses Jahr auch mit seiner Teilnahme am CSD ausdrücken. Sollte er Berliner CDU-Chef werden, schließt er zudem auch eine Spitzenkandidatur für die Wahl 2021 nicht aus und hätte damit Chancen auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters.